Datenrechte sind die neuen Menschenrechte

Amazon Web Services rules them all
5 min read

Es ist ein Thema, dass viele Menschen heutzutage bewegt. Die Diskussion rund um Nutzerdaten, Urheberrecht und den Umgang mit der Cloud. Dabei gibt es momentan zwei Lager, die man am prominentesten wahrnimmt: Die Befürworter der Datenwirtschaft und den damit einhergehenden Vor- und Nachteilen und die, die eine unglaubliche Angst vor der Cloud und ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber den Cloudanbietern wie Google, Amazon und Microsoft haben.

Während ich die Bedenken der Cloudgegner nachvollziehen kann, tendiere ich dazu, dass die Vorteile die Nachteile bei Weitem überwiegen. Die Google Dienste, die ich täglich verwende, sind so gut und einfach, dass ich sie nicht missen will und seit ich GSuite Business habe, weiss ich nicht mehr, wie ich früher ohne ausgekommen bin. Ich bezahle Google also dafür, dass ich ihnen meine Dateien hochlade.

Das Thema Daten und Privatsphäre hat die Politik erreicht. Nach der unsäglich schlecht durchdachten DSGVO diskutiert man nun in Europa über Zensur-Filter und Link-Steuern. Leistungsschutzrecht nennen sie das. Dabei geht es lediglich darum, die grossen europäischen Verlage vor dem Bankrott zu schützen, da diese aus Ignoranz den Anschluss verloren haben. So tragisch die Entwicklungen momentan auch sind, haben sie mich zum Nachdenken gebracht. Datenschutz durch Verbote ist unsinnig und kontraproduktiv und doch bin ich der Meinung, dass man etwas tun muss. Meiner Ansicht nach sind Datenrechte die neuen Menschenrechte und ich erkläre gerne warum.

Wenn du nichts bezahlst, bist du das Produkt

Dieser Satz ist mindestens so alt wie die Migros Kumuluskarte. Keine Firma der Welt arbeitet für lau. Wenn ich also für einen Dienst nichts bezahle, dann verdienen die Konzerne an meinen Daten. Das gilt für Google, Amazon, Facebook bis hin zu Coop und Migros. Dabei gibt es verschiedene Herangehensweisen. Während Facebook Nutzerdaten verkauft und personalisierte Werbung einblendet, beschränkt sich Google darauf, anhand von den Daten personalisierte Werbung zu schalten. Nach eigenen Aussagen verkaufen sie aber keine Angaben von Nutzern. Amazon, Migros und Coop benutzen die Daten vor allem dazu, um einem massgeschneiderte Produktempfehlungen zu präsentieren.

Daten sind die neuen Ölquellen

Für die Internetkonzerne sind unsere Daten pures Gold. Im Grunde müssten sie uns bezahlen, um sie zu bekommen. Würde sich dieses Verständnis in der Gesellschaft formen, kämen die Geschäftsmodelle von Google und Co. schnell zu einem Ende. Hier stellt sich aber das nächste Problem: Das Internet funktioniert ohne Google und Amazon gar nicht mehr. Mit den Amazon Web Services (AWS) dominiert der Internethändler einen Grossteil des Netzes. Die Adobe Creative Cloud und Dropbox laufen zum Beispiel darauf. Um es noch konkreter zu machen: Wenn Amazon seine Server herunterfährt, funktionieren folgende Dienste ebenfalls nicht mehr:

  • Spotify
  • Airbnb
  • Pinterest
  • Yelp
  • Etsy
  • Shazam
  • Foursquare
  • Flipboard
  • Expedia
  • Reddit
  • Instagram
  • Netflix
Amazon dominiert die Szene. Quelle: Synergy Research Group

Was nicht bei AWS läuft, spielt sich bei Microsoft oder Google (zum Beispiel die Apple iCloud) ab und auch die beiden setzen teilweise auf die Clouddienste von Amazon.

Wenn wir unsere Daten also vor den Big Five (Microsoft, Apple, Amazon, Google und Facebook) fernhalten wollen, gibt es nur eine Lösung: alle modernen Geräte, die ans Netz angehängt werden können, entsorgen.

Die Politik reagiert. Leider!

Die Politik in Europa reagiert im Moment auf die digitale Welt mit unreflektiertem Aktionismus. Die neuen Gesetze unterbinden beinahe alles, was das freie Internet ausmacht. In Amerika hat man sich auch schon von der Netzneutralität verabschiedet und denkt laut darüber nach, Firmen wie Apple, Google oder Amazon aufzusplittern, da sie zu gross und zu mächtig sein sollen. Solche Gedankengänge zeugen von mangelndem Digitalverständnis und bedrohen aktiv den Fortschritt von Technologie und Gesellschaft. Einzig positiv daran ist, dass das Thema diskutiert wird.

Transparenz nicht Verbote schaffen

Meiner Meinung nach ist das Problem gar nicht, die Datenwirtschaft an sich, sondern die fehlende Transparenz darüber, welche Daten von welchem Dienst und Gerät gesammelt werden. Oder wusstet ihr, dass eure Smart-TV’s von Samsung permanent Informationen an den Tech-Konzern senden? Ist das schlimm? Nein. Ist es schlimm, dass sie einen beim Kauf und aktivieren des Gerätes nicht darauf hinweisen? Ja. Wenn die Politik die Konsumierenden schützen will, dann muss sie es über Transparenz und Information machen und nicht über Verhinderungspolitik. Google und Co. sollen klar bei jedem Service und jedem Gerät offenlegen wie, wann und wie viele Daten gesammelt und für was sie benutzt werden. Konsumentinnen und Konsumenten können sich dann informiert entscheiden, ob sie Dienste und Geräte verwenden wollen oder nicht. Auch muss man die Internetkonzerne dazu verpflichten, die Hoheit über persönliche Daten komplett an die Nutzerinnen und Nutzer zurückzugeben.

Dass die Diskussion geführt wird, ist wichtig und richtig, denn: Datenrechte sind die neuen Menschenrechte.

Was denkt ihr? Sind die Internetkonzerne zu mächtig oder ist das alles reine Techno-Panik?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

you're currently offline