Wie Banken mit einem Klick die Armut beseitigen könnten

10 min read

Geld. «Geld ist das Blut der Gesellschaft» hat mein Allgemeinwissenslehrer mir einst in der Berufslehre erklärt. Warum haben nun aber manche Menschen soviel Blut, dass sie beinahe zerplatzen und andere sind beinahe Blutleer? Ein kleiner Exkurs in die Geldgeschichte und wie die Banken dank der Digitalisierung Armut mit einem Klick beseitigen könnten und warum sie es nicht machen.

Um zu verstehen, wie das funktioniert, muss man zuerst die Geschichte des Geldes und dessen Funktion kennenlernen. Banken können die Armut nämlich nur dann beseitigen, wenn sie den Unsinn unseres Geldsystems einsehen. Machen wir also einen Exkurs in die Vergangenheit.

Geld wird heute immer und überall verwendet. Es ist so allgegenwärtig, dass man es kaum noch hinterfragt. In der Urzeit bestand unsere Gesellschaft hauptsächlich aus Jägern und Sammlern ohne individuelle Besitztümer. Es benötigte also auch kein Abzählen von Eigentum. Man lebte von und mit der Natur. Nahm nicht mehr und nicht weniger, als man benötigte.

Das Geld entsteht

Mit der Zeit entdeckte der Homo sapiens allerdings, dass er den natürlichen Wachstumsprozess beeinflussen konnte. So entstanden die ersten sesshaften Siedlungen bestehend aus Farmern. Wenn man nicht mehr sammelt, sondern sich spezialisiert, ist man gezwungen Überschüsse zu produzieren, damit man sie gegen Ware tauschen kann, die man selber benötigt zum Leben. So entstand Eigentum (an Grund und Boden) und Märkte, in die man seine Waren investierte. Die erste Währung war damit geboren.

Nun ist es sehr kompliziert, wenn jeder mit jedem und jeweils mit seinem Produkt handelte. Schnell einigte man sich auf «standardisierte Währungsartikel». In gewissen Regionen war das zum Beispiel Vieh, und in einer anderen eine bestimmte Fläche an Ackerboden. Lieh man sich diese «lebendigen Zahlungsmittel» für zum Beispiel ein Jahr aus, gab man es danach, inklusive Überschüsse sprich Jungtiere oder die Überschüsse des Ackerbaus wieder zurück. Dieser «Mehrwert» oder «Zuwachs» ist ein natürlicher Zins und sozusagen der Urahn des heutigen Zinseszinses.

Lebewesen wie Rinder und Schafe vermehren sich jedoch von selbst. Das ist bei «toter Währung» wie zum Beispiel Goldstücken nicht der Fall. Darin liegt dann auch die zentrale Paradoxie (-> widersinniger Sachverhalt) des heutigen Geldsystems. bzw. Ein wesentlicher Grund für seine realwirtschaftliche Schädigung.

Tiere und Getreide unterliegen jedoch natürlichen Alterungsprozessen, die sie im Wert je länger, desto mehr verringern. Aus dem Grund hat man sich bald für Edelmetalle als Grundlage für das Warengeld geeinigt. Vor allem Gold hat sich hierbei durchgesetzt, da es für Jahrtausende aufbewahrt werden kann, ohne zu Rosten oder zu faulen. Es ist somit sehr wertbeständig.
Da Goldklumpen aber unterschiedlich gross, schwer und rein sein konnten, mussten sie zuerst einmal auf ihren Wert geprüft werden. Diese Aufgabe übernahmen historisch die Goldschmiede, die sich dafür fürstlich bezahlen liessen. Bald merkte man, dass sich die mühsamen und teuren Untersuche sparen liessen, wenn man spezielle Goldstücke herstellte. Diese wurden schon im Voraus auf ihre Reinheit geprüft und waren genormt. Auch diese Aufgabe fiel den Goldschmieden zu.
Diese Entwicklung ist von äusserster Wichtigkeit, da sie nicht nur eine Standardwährung einführte, sondern auch eines der grundlegenden Prinzipien der Mathematik verkörpert: das Abzählbarkeitsaxiom. Franz Hörmann erklärt das Axiom in seinem Buch «Das Ende des Geldes» wie folgt:

«Nur dort, wo gleichartige Elemente vorhanden sind, kann überhaupt gezählt werden. Die Bedeutung des Abzählbarkeits-Axioms kann an folgenden Überlegungen demonstriert werden: Ein Apfel und ein Apfel ergeben zwei Äpfel. Ein Apfel und eine Birne ergeben zwei Stück Obst. Eine Symphonie und eine Infektionskrankheit hingegen ergeben zwei… ? Wo homogene, das heißt gleichartige und daher vergleichbare, Grundbausteine fehlen, macht zählen keinen Sinn. Dann haben wir es mit einer Pseudo-Mathematik zu tun, die höchstens zur Täuschung mathematischer Laien missbraucht werden kann».

Die Sumeren und ihre Fruchtbarkeitsmünzen

Erste nachweisbare Formen von Münzen wurden von den Sumeren ca. 3200 v. Chr. verwendet. Die Münzen hiessen «Schekel», das sich aus «Sche» für Weizen und «Kel» für ein Büschel zusammensetzte. Eine Münze hatte also den Wert von einem Büschel Weizen. Das Geld wurde vorwiegend als Opfergabe in einem speziellen Fruchtbarkeitskult verwendet. Trotzdem sind die Sumeren relevant, das sie den ersten Zins auf verliehenes Geld einführten und zwar mit einem Zinssatz von 20%. Die ersten fünf Jahre durften aber nur lineare Zinsen verlangt werden. Erst danach wenn sich das verliehene Kapital verdoppelt hatte, sozusagen also «erwachsen» und «geschlechtsreif» wurde, durfte man Zinseszinsen (also Zinsen von den ausbleibenden Zinszahlungen) verlangen.

Hier liegt ein zentraler Punkt, um den Unsinn von Geld und Zinsen zu verstehen: Aus irgendwelchen mystischen Gründen haben menschliche Kulturen vor über 5000 Jahren entschieden, tote Elemente wie Goldmünzen mit Lebewesen gleichzusetzen: Sie wachsen heran, als Forderungen und damit immateriell, und pflanzen sich den Lebewesen gleich fort. Unsere Wirtschaft basiert bis heute auf diesem vorzeitlichen Aberglauben des Zinseszins.

Zu beweisen im Sinne von Sir Karl Popper ist weder der Zinseszins noch die doppelte Buchhaltung. Im Gegenteil: Beides ist längst wissenschaftlich widerlegt worden. Unser Geldsystem ist also nichts, was auf Fakten und Forschung aufgebaut wurde, sondern auf Aberglauben und Mythen.

Der Mythos entwickelt sich

Nachdem wir nun das Münzgeld und damit die Standardwährung etabliert haben, machen wir einen Zeitsprung, und zwar in die 1300er. Münzgeld bzw. Goldstücke werden zum Handeln verwendet und wie es im menschengemachten Kapitalismus so funktioniert, besitzen ein paar wenige enorm viel und der Rest praktisch nichts. Die vermögenden Menschen verstauen ihre Goldmünzen in Truhen. Nun ist es aber sehr umständlich, immer eine Holztruhe mit sich herumzutragen. Findige Goldschmiede und Tempelritter riechen eine Chance und bieten das sichere Aufbewahren der Truhen gegen eine Gebühr an. Wer sein Geld einlagert, bekommt eine Urkunde, die bescheinigt, wie viel Geld man eingelagert hat.
Nun muss man sein Gold nicht mehr mit sich herumschleppen, da das Gold nun aber stationär ist, muss man für jeden Einkauf zum Goldschmied und Geld abheben. Das wird bald zu umständlich und die Menschen beginnen, anstelle des Geldes die Besitzurkunden weiterzugeben. Das heisst, der Anspruch auf eine gewisse Summe an Goldstücken wechselt den Besitzer. Wir haben nun also die erste Form des durch Gold tatsächlich gedeckten Papiergeldes.


Wissenswert

Wusstet ihr, dass Giralgeld, sprich Geld, dass nur digital vorhanden ist, illegal ist? In der Schweizer Verfassung steht folgendes:

Art. 99 Geld- und Währungspolitik

1 Das Geld- und Währungswesen ist Sache des Bundes; diesem allein steht das Recht zur Ausgabe von Münzen und Banknoten zu.

Heisst: Giralgeld oder Fiat-Geld, dass durch nichts gedekt ist, ist eigentlich nicht zulässig.


Geld wird zur Religion

Machen wir einen weiteren Sprung in unsere Zeit. Aus findigen Goldschmieden und Tempelrittern wurden Banken und aus Besitzurkunden für Gold wurden staatlich produzierte Geldscheine und geprägte Münzen. Da aber die Banken längst nicht mehr genug Gold zur Deckung der Scheine haben, mussten sie kreativ werden. Das Fiat-Geld hält Einzug in unser Geldsystem. Hatte man bis anhin für jeden Geldschein einen reellen Gegenwert in der Form von Gold, wird Geld nun zur Glaubenssache. Wenn ich nicht daran glaube, dass mir der Geldschein etwas kaufen kann, ist es wertloses Papier.
Richtig pervers wird es bei einer Kreditvergabe. Die Bank verbucht per Knopfdruck den Kredit von z. B. 100’000 Franken. Sie erzeugen das Geld als reine digitale Buchung in ihrem System, sozusagen aus Luft (Fiat). Für das Geld wurde keine Leistung seitens der Bank getätigt und sie haben auch gar keinen reellen Gegenwert. Der Wert wird dem Geld erst durch die zurückzuzahlenden Zinsen also der Wirtschaftskraft des Schuldners gegeben. Tatsächlich wurde schon soviel Fiat-Geld produziert, dass unser Geld durch absolut gar nichts ausser den Glauben daran abgesichert ist.

Wie können Banken nun die Armut beseitigen?

Allenfalls haben viele von euch schon während unserem Exkurs in die Geldgeschichte gemerkt auf was ich hinaus will. Geld ist heute nichts Materielles mehr. Es ist reine EDV. Dadurch, dass beinahe alle Zahlungen online laufen und unser Geld auf Servern und nicht in Geldspeichern verwaltet wird, hat es faktisch keinen Wert mehr, bzw. nur den Wert, an den wir bereit sind zu glauben.
Banken hätten also schon heute die Möglichkeit auf Knopfdruck jedem Menschen mit einem Konto, 1 oder 2 Millionen zu überweisen. Da das Ganze im Grunde «wertlos» ist, weil nicht durch materielles Gedeckt, wäre es problemlos möglich. Es würde allerdings unser ganzes Geldsystem ad absurdum führen und das lukrative Banken-Geschäft zumindest fragwürdig machen.

Was geschieht, wenn die Banken ihren inneren Pestalozzi finden?

Sollten wir über Nacht in ein Paralleluniversum rutschen, in dem die Banken nur am Wohl ihrer Kunden bzw. dem der Welt interessiert sind und deshalb den Geldrausch-Knopf drücken, kann das ganze auf 2 Arten enden:

  1. Wir haben eine Inflation und das Geld wird so abgewertet, dass 1 Million keinen Wert mehr besitzt und unser System zusammenbricht.
  2. Die Menschen verlieren den Glauben und realisieren, dass sie gemeinsam stärker sind und der technische Fortschritt lässt die Gier nach übermässigem Eigentum verschwinden und beseitigt den Hunger (ja Star Trek).

Soweit mein Gedankenspiel zum Thema Geldsystem. Als Basis und für die Fakten diente mir das Buch «Das Ende des Geldes» von Franz Hörmann.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

you're currently offline